Sportunterricht schwänzen?

Sport ist blöd, schrecklich, Hassfach, alle Lachen mich aus und und und…

Wer kennt es nicht, der Sportunterricht steht an und die Lust bei vielen kann kaum kleiner sein?
Ich verstehe die fehlende Begeisterung meiner Schüler da vollkommen, denn Sportunterricht ist in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung. In dem heutigen Beitrag will ich euch aber zeigen, dass Sportunterricht einerseits kein Horror sein muss und es andererseits jedem Spaß machen kann.

 

Ich selbst war nie ein Übersportler und deshalb auch kein Fan vom Sportunterricht. In der Unter- und Mittelstufe artete dies teilweise in regelrechtes Schwänzen des Unterrichts aus, weil ich mich ehrlich gesagt davor fürchtete. Ich hatte Angst, dass mich andere auslachen würden, wenn ich etwas nicht hinbekommen würde oder dass ich hinterher als Niete und Versager dastehen würde. Meine größte Sorge war das Gerätturnen, weil ich darin echt grausam war und wahrscheinlich auch noch bin. Allerdings habe ich meine Einstellung ändern können und so hatte ich in der Oberstufe (die hatte bei mir übrigens noch drei Jahre wegen des G9) wirklich Spaß am Sportunterricht.

 

Zunächst einmal sollte für euch wichtig sein, dass man selten in jedem Schulfach und in allem, was man anpackt super ist. Was ihr könnt, können andere überhaupt nicht und so kann der tollste Sportler der Klasse oder die super Fußballerin vielleicht kein Mathe, Musik oder was auch immer. Jeder hat Stärken, aber jeder hat auch seine Schwächen. Wichtig ist es bloß, dass man sich diese selbst klarmacht und dennoch nicht davor wegläuft. Sportunterricht gehört in der Schule eben dazu und man wird nie an allem Spaß haben, doch ist der Unterricht so abwechslungsreich, wie eigentlich kein zweites Fach.

Es wäre deshalb toll, wenn ihr den Sportunterricht nicht als Fluch wahrnehmen würdet, sondern als eine tolle Chance euch und eure Grenzen kennen zu lernen, daran zu wachsen und Grenzen zu überwinden. Wenn zudem ein gutes Klassenklima herrschen sollte, dann könnt ihr euch gegenseitig pushen und gemeinsam solche Grenzen überwinden. Wie in jedem anderen Fach könnt ihr auf die Hilfe von denen bauen, die es besser können. Im Sport lasst ihr euch helfen, vielleicht helft ihr wiederum in Englisch aus, weil da eure Stärken liegen. (Natürlich weiß ich auch, dass manch einer toll in irgendwas ist und gerade nicht helfen will. Das soll es geben und dann soll man so jemanden einfach machen lassen – die egoistische Einstellung rächt sich an einem bestimmten Punkt zu jeder Schulzeit).

Mir ist auch klar, dass es noch nicht damit getan ist, den Sportunterricht als eine tolle Herausforderung anzusehen und ihn plötzlich spitze zu finden. Aber es ist ein Einstieg darin, diesen erträglicher wahrzunehmen. Wenn Turnen, wie bei mir, nicht euer Ding ist, dann macht Fußball vielleicht schon mehr Spaß. Und der Sportartenwechsel ist ja wirklich häufig.

Ihr habt Angst vor einer schlechten Sportnote? Auch die braucht ihr nicht zu haben. Erstens sollte man sich für die Schule immer merken, dass es nicht nur auf die Noten ankommt und zweitens spielt es außer für euch oder eure Eltern fast keine Rolle, was ihr für eine Sportnote habt. Keiner bleibt wegen einer schlechten Sportnote sitzen.

Auch ich habe Schüler, die wirkliche Angst vor dem Sportunterricht haben, weil sie sich zu dick fühlen, um sportlich zu sein oder einfach unbeweglich sind. Wisst ihr, was ich dann immer für einen Rat gebe?
Angst hat jeder, doch nur wer Mut besitzt, kann sich seinen Ängsten stellen. Mach mit beim Unterricht und probiere es aus. Wenn es nicht klappt, dann ist es eben so. Wer wirklich glaubt, man muss im Leben alles können, ist auf dem Holzweg.

Dennoch erlebe ich es natürlich auch oft, dass gerade bei einem schlechten Klassenklima der Sportunterricht ein Index für soziales Ansehen innerhalb der Klasse ist. Das kann man leider nicht abstellen und die „Sportler“ (auch wenn ich keine Verallgemeinerungen mag) sind cool, wenn sie das gut können, in Mathe ist man als Einserschüler aber dann der Nerd. Das führt immer wieder zu Konflikten und viel schlimmer noch zu Ausgrenzungen.
Dies passiert leider immer wieder, doch sollte man sich deshalb keinesfalls davor wegducken. Eure Sportnote macht nicht euren Charakter aus. Und falls es doch Probleme geben sollte, dann kann man sich auch immer vertrauensvoll an seine Lehrer wenden. Wer davor Angst hat, seinen Lehrern so etwas mitzuteilen, der kann sich auch meist an den Vertrauenslehrer oder einen Sozialarbeiter in der Schule wenden.

Ausgrenzung ist keine Kleinigkeit und auch nicht toll. Doch jedem kann das passieren. Deshalb ist mir als Lehrer ein gutes Klassenklima sehr wichtig, damit dieses bescheuerte Gefühl erst gar nicht auftritt.

Zusammengefasst für den Sportunterricht gilt:

  • habt keine Angst davor, dass ihr etwas nicht könnt oder ihr etwas nicht schafft – niemand kann alles (auch wenn es bei manchen vielleicht oberflächlich so aussieht)
  • jeder hat seine eigenen Stärken – macht euch diese bewusst
  • macht euch eure Schwächen auch bewusst und versucht gegen diese anzukommen
  • traut euch selbst etwas zu und geht mutig an die Sache ran
  • falls Sport einfach ganz grausam ist – dann lasst es dennoch über euch ergehen und schwänzt nicht → oft werdet ihr im Leben mit Situationen konfrontiert werden, die nervig sind. Wer früh lernt damit umzugehen, wird später darüber schmunzeln können

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